Mechthild Lobisch
1940–2025
Mechthild Lobisch war eine deutsche Buch- und Einbandkünstlerin und eine prägende Persönlichkeit der zeitgenössischen Buchkunst. Nach einer Ausbildung zur Buchbinderin studierte sie unter anderem in Paris, Essen und Brüssel und verband früh handwerkliche Meisterschaft mit konzeptuellen und künstlerischen Fragestellungen. Von 1995 bis 2006 leitete sie an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle die Studienrichtung Konzeptkunst Buch im Fachbereich Kunst. 1997 gründete sie dort das Otto-Dorfner-Institut und setzte sich intensiv mit der Geschichte und Zukunft der Einbandkunst auseinander.
Mechthild Lobisch gilt als eine der führenden Vertreterinnen der modernen Einbandkunst in Deutschland. Neben Bucheinbänden schuf sie Zeichnungen, fotografische Arbeiten und Rauminstallationen. Charakteristisch für ihr Werk ist die Verbindung traditioneller Techniken mit digitalen Verfahren, insbesondere in der Entwicklung von Buntpapieren. Über Jahrzehnte baute sie zudem eine umfangreiche Sammlung historischer und industrieller Buntpapiere auf.
Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Künstlerin.
Das im Ausschnitt gezeigte Video entstand im Zusammenhang des Oberbayerischen Kulturpreises, mit dem Mechthild Lobisch im Jahr 2013 ausgezeichnet wurde.
Mechthild Lobisch
Sonneneinfall I, ca. Mitte der 1980er-Jahre
4 Pappstreifen mit je 8 aufgelegten Fotos
51 x 68 cm
1. Teil einer Bewerbung für die Gestaltung eines
neuen U-Bahnhofes in München
C 15.1.
Mechthild Lobisch
Objet trouvé, ca. Mitte der 1980er-Jahre
Glänzend lackiertes MDF-Objekt mit Blattgold
25 x 25 cm
2. Teil einer Bewerbung für die Gestaltung eines
neuen U-Bahnhofes in München
C 15.2.
Mechthild Lobisch
o. T., ca. 1980er-Jahre
Bleistift auf Papier
43 x 61 cm
Signiert
B 21.4
Mechthild Lobisch
Zum 6.12.82 (für Klaus), 1982
Mischtechnik auf Papier
30 x 38,4 cm (aufgelegt 45 x 55 cm)
Signiert
C 3.3.
Mechthild Lobisch
o. T., 1983
Aquarell und Tinte auf Papier
29,7 x 38,2 cm (aufgelegt 45 x 55 cm)
Signiert
C 3.4.
Mechthild Lobisch
o. T., 1981
Aquarell und Tinte auf Papier
48 x 62,5 cm (aufgelegt 60 x 73,5 cm)
X 1.
Mechthild Lobisch
o. T. (Bing 3 BNF), 1994
Tusche und Aquarellstift auf handgeschöpftem Papier
50 x 63 cm
A 11.1.3.
Mechthild Lobisch
o. T., 1981
Aquarell und Tinte auf Papier
48 x 62 cm (aufgelegt 60 x 73 cm)
X 2.
Einleitende Worte der Kunsthistorikerin Anna-Lena Goltz zur Eröffnung der Einzelausstellung Mechthild Lobisch in der Galerie Erik Bausmann im März 2026:
"Mechthild Lobisch gehörte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der
zeitgenössischen Buch- und Einbandkunst. Geboren 1940 in Schlesien, führte ihr Weg unter anderem über Paris, Essen, Brüssel und München schließlich 1995 nach Halle an die Burg Giebichenstein. Dort leitete sie viele Jahre lang die Studienrichtung Konzeptkunst Buch und prägte so eine ganze Generation von Studierenden.
Mechthild Lobisch verstand Bücher als künstlerische Räume und Einbände als deren Nobilitierung. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine klare Formensprache aus – strenge Ordnung und spielerische Irritation liegen dabei dicht beieinander. Symmetrien und Asymmetrien, Überlagerungen und kleine Verschiebungen schaffen eine visuelle Spannung, die den Blick lange festhält. Dabei blieb ihr Ausgangspunkt immer das Handwerk, denn gerade im präzisen Arbeiten entstand jene Freiheit, die ihre Œuvre so besonders macht.
Wer sich Mechthild Lobischs Werke ansieht, merkt schnell: Papier ist hier mehr als nur ein Träger. Es wird zum Ort des Denkens – Linien, Raster und Verschiebungen bilden Ordnungen, die zugleich präzise und offen wirken. Vieles entzieht sich dem schnellen Blick und entfaltet sich erst im genaueren Hinsehen.
Diese Ausstellung lädt uns ein, genau das zu entdecken. Die Vielfalt eines Werkes, das zwischen Kunst und Handwerk, zwischen Sprache und Bild, zwischen Ordnung und Experiment seinen ganz eigenen Weg gefunden hat."